Die Berliner Max-Schmeling-Halle ist mittlerweile als Deutschlands „Volleyballtempel“ bekannt, aber die Arena, in der am 28. und 29. März mit dem Champions League Final Four ein echtes Highlight stattfindet, ist weit mehr als das. Ihre Geschichte führt zurück zu einer der größten Sportikonen des Landes: Wer war der Mann, dessen Namen sie trägt und warum ist die Arena im Herzen der Hauptstadt nach ihm benannt?

In den 1930er Jahren eine echte Ikone, gilt Max Schmeling noch heute als einer der legendärsten Boxer aller Zeiten. Von 1930 bis 1932 hielt er den Weltmeistertitel in der Schwergewichtsklasse und besonders die beiden Kämpfe gegen den US-Amerikaner Joe Louis (1936 und 1938) zählen zu den meist-diskutierten Box-Duellen der Geschichte.

Seinen ersten Kampf gegen Louis gewann Schmeling, damals unter dem Kampfnamen ‘Der schwarze Ulan vom Rhein’ bekannt, durch ein Knockout in Runde 12. Im zweiten Aufeinandertreffen revanchierte sich sein amerikanischer Erzrivale, genannt ‘Der braune Bomber’, und landete gleich in der ersten Runde einen K.O-Treffer. Auch wenn es sich lediglich um Faustkämpfe zweier Sportler handelte, verkörperten diese beiden Ereignisse weitaus mehr. Als ein Wettkampf zwischen Repräsentanten der Vereinigten Staaten und seiner schwarzen Bevölkerung und Nazi-Deutschland, standen die Duelle Louis gegen Schmeling symbolisch für die politischen Auseinandersetzungen zwischen Demokratie und Faschismus.

Als Schmeling nach seiner Niederlage gegen Joe Louis nach Deutschland zurückkehrte, distanzierten sich die Nationalsozialisten von ihm. Nachdem sie in seinem vorherigen Sieg gegen den Afroamerikaner noch einen Beweis für die vermeintliche Überlegenheit ihrer „Rasse“ gesehen und Schmeling zu ihrem Aushängeschild gemacht hatten, bedeutete der Ausgang des zweiten Kampfes für sie eine Schmach. Schmeling selbst setzte sich der Judenfeindlichkeit des Nazi-Regimes im Laufe der Zeit immer wieder entgegen. So rettete er zum Beispiel während der Reichspogromnacht 1938 das Leben zweier jüdischer Kinder, indem er sie in seiner Wohnung versteckt hielt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Schmeling zur Wehrmacht eingezogen und bei der Luftwaffe zum Elite-Fallschirmjäger ausgebildet. Als er im Jahr 1941  bei der Luftlandeschlacht um Kreta  eingesetzt wurde, verletzte er sich bei der Landung am rechten Knie. In Folge dessen wurde er aus medizinischer Sicht als für den weiteren Kriegsdienst untauglich erklärt und schied aus dem aktiven Dienst aus. Später besuchte er amerikanische Kriegsgefangenenlager und setzte sich für eine Verbesserung der Bedingungen der dort Inhaftierten ein.

Nach dem Krieg ließ sich Max Schmeling in Hamburg nieder, wo er sein Box-Comeback in Angriff nahm. Dieses war mit drei von fünf gewonnenen Kämpfen allerdings nur mäßig erfolgreich und im Oktober 1948 beendete der ehemalige Champion seine sportliche Karriere schließlich. In den 1950er Jahren begann er, in Deutschland für Coca-Cola zu arbeiten. Binnen kurzer Zeit war er selbst in Besitz einer Abfüllanlage und besetzte innerhalb des Unternehmens eine Führungsposition. Zwischen Schmeling und Louis entwickelte sich zu dieser Zeit eine Freundschaft und in den späteren Jahren des Amerikaners unterstützte Schmeling seinen früheren Rivalen finanziell, übernahm nach dessen Tod 1981 sogar die Kosten für dessen Begräbnis. 1992 wurde Schmeling in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen. Seine letzten Jahre verbrachte er in wohlhabenden Verhältnissen und als passionierter Boxfan, bevor er am 2. Januar 2005 im Alter von 99 Jahren verstarb.

Am 14. Dezember 1996 nahm Schmeling an der Eröffnungszeremonie der nach ihm benannten Arena im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg teil. Die Max-Schmeling-Halle hat seitdem eine Reihe großer Sportveranstaltungen ausgerichtet, so zum Beispiel die Handball-Weltmeisterschaft der Männer 2007, die Europameisterschaft im Geräteturnen 2011 und das Finale der CEV Volleyball-Europameisterschaft der Frauen 2013. Die Arena war und ist außerdem Heimspielstätte dreier Eliteteams aus der deutschen Hauptstadt, den Basketballern von ALBA Berlin, den Handballern der Füchse Berlin sowie den BR Volleys.

Nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus architektonischer Sicht ist die Max-Schmeling-Halle, die 8.500 Zuschauern Platz bieten kann, ein echtes Juwel. Auf ihrem Dach befindet sich die größte Solarstromanlage auf einem öffentlichen Gebäude Berlins, die 1.064 installierten Photovoltaikelemente produzieren bis zu 250 Kilowatt Strom. Rund um die Arena gibt es zahlreiche Grünflächen. 2002 wurde die Max-Schmeling-Halle aufgrund ihrer geringen Umweltauswirkung von IOC, IPC und IAKS beim internationalen Wettbewerb über die architektonisch bestgenutzten Sportstätten mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Die „Grüne Halle“ ist somit der perfekte Ort für das Gastspiel der weltbesten Volleyballer Ende März, denn zu Saisonbeginn launchte die europäische Volleyballfamilie eine neue Kampagne unter dem Titel ‘Green Way – Volleyball Way’. Im Rahmen dieser Kampagne wurden beispielsweise die von allen Liberos getragenen, grünen Trikots eingeführt, sowie der grün-gelben Mikasa MVA200CEV Ball kreiert.

Unabhängig davon ist Berlin aber auch aus einem anderen Grund der richtige Gastgeber: Eine aufgeladene Atmosphäre ist garantiert, wenn am 28. und 29. März zahlreiche Berliner Fans gemeinsam mit denen der anderen Spitzenteams eine große Volleyballparty in der Max-Schmeling-Halle feiern, die sicherlich auch ihrem Namensgeber, der deutschen Box-Ikone gefallen hätte.